| Eine Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Wrescherode |
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| Geschrieben von Andreas Wehe | |
| Sonntag, 05 März 2006 | |
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(zusammengestellt für die Feier 110 Jahre FFW Wrescherode nach den
Protokollbüchern durch Horst Steinhoff)
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110 Jahre Freiwillige Feuerwehr Wrescherode, das heißt
110 Jahre dem Feuer zum Trutze,
den Bürgern zum Schutze.
Aus den Anfängen der Wehr liegen heute nur lückenhafte Aufzeichnungen vor. Fest steht aber, daß die Wehr im Jahre 1986 auf eine garantiert 110 Jahre währende Tradition zurückblicken kann.
In einer Stammrolle des Jahres 1908, erstellt von dem damaligen Gemeindevorsteher Brinkmann erscheinen unter
· Ordnungsnummer 1 K. Hauenschild, eingetreten 1875
· Ordnungsnummer 2 Ferd. Steinhoff, eingetreten 1875.
Eine Bestätigung dafür, daß die Freiwillige Feuerwehr Wrescherode im Jahre 1875 gegründet worden ist, beweist auch der Eintrag im Protokollbuch des Jahres 1919, wonach der Witwe eines Mitbegründers der Wehr eine Sterbeunterstützung von 25 Mark gezahlt worden ist.
Wer der erste Wehrführer war, läßt sich heute nicht mehr feststellen, denn das erste Protokollbuch über eine Versammlung ist vom 8. März 1896.
Der Wortlaut ist:
……… 1896
März 8.
In der Monatsversammlung wurde zur Neuwahl des Führers, so wie der beiden Spritzenmeisters und auch des Schriftführers geschritten, und wurden nachfolgende Herren per Aklamation einstimmig auf die Dauer von 3 Jahren wieder gewählt. Die Dauer gilt vom 1. Januar 1896 - 1899. Gastwirt J. Blötz als Führer. Karl Hauenschild Maurer und H.v.Eimen Maurer als Spritzenmeisters. W. Hauenschild Tischlermeister als Schriftführer.
In jedem Jahr, und zwar am Silvesterabend, wurde ein Feuerwehrball, zu dem aber auch Nichtmitglieder der Wehr zugelassen waren, durchgeführt. Diese Tradition, die nach den Kassenaufzeichnungen bis in das Jahr 1887 zurückverfolgt werden kann, endete im Jahre 1958. Danach wird jeweils im Februar ein Wintervergnügen durchgeführt.
Im Jahre 1908 hatte die Wehr 28 aktive Wehrmänner.
Eine Begebenheit des Jahres 1900 ist es wert, hier erwähnt zu werden. Bei Bezirksübungen ging es damals nicht immer im friedlichen Wettstreit zu, denn:
Geschehen in der Versammlung am 24. November 1900
„Es wurden dem Maurer Fr. Steinhoff aus der Kasse 20 Mark für Klagekosten wegen einer Schlägerei zu Hachenhausen bei der Bezirksübung als Entschädigung überwiesen, mit der Bedingung wenn sollten wegen dieser 20 Mark von irgend einem Feuerwehrmitgliede anzügliche Redensarten stattfinden, derselbe sofort aus der Freiwilligen Feuerwehr ausscheiden soll.“
In der Stammrolle ist kein Vermerk über das Ausscheiden dieses Feuerwehrkameraden zu finden, was darauf schließen läßt, daß schon zu dieser Zeit in der Wehr eine gute Kameradschaft geherrscht haben muß.
Über ein erstes großes Zeltfest finden wir Aufzeichnungen aus dem Jahre 1902. Am 22. und 23. Juni 1902 fand in Wrescherode der Amtsfeuerwehrtag des Verbandes Gandersheim -
Greene statt. Am 23. Juni spielten ab mittag 15 Musiker in einem Zelt, wofür je Musiker 3 Mark gezahlt werden mußten. Als Tanzgeld wurde von den Feuerwehrmännern und einheimischen Zivilisten a´ Mannspursche 1 Mark erhoben. Jedoch fremde Mannspurschen zahlten 1,25 Mark.
Im Jahre 1902 wird ein Großbrand bei Schalitz in Hachenhausen und 1903 je ein Brand in Ildehausen und Schachtenbeck verzeichnet.
Nächster Führer der Wehr ist ab 1904 der Maurerpolier Karl Hauenschild, nachdem J. Blötz sein Amt freiwillig zur Verfügung gestellt hatte. J. Blötz wurde zum Ehrenmitglied ernannt.
Im Jahre 1911 muß die Beteiligung am Feuerwehrdienst sehr zu wünschen übrig gelassen haben. In der Monatsversammlung am 28.1.1912 wurde beschlossen, eine Strafliste einzuführen. Wer unentschuldigt eine halbe Stunde nach der angesagten Zeit kam, mußte 10 Pfennig Strafe und wer überhaupt nicht kam zahlte 20 Pfennig Strafe. Fehlte jemand ohne genügende Entschuldigung bei der Brandbekämpfung, wurde er mit 1 Mark Strafe belegt.
Während des 1. Weltkrieges, in dem ein großer Teil der damaligen Feuerwehrkameraden Kriegsdienst versehen mußten, ruhte wohl das Vereinsleben in der Wehr, nicht aber die Einsatzbereitschaft. Am 13.7.1919 wurde die erste Bezirksübung nach dem Krieg, die eigentlich hätte in Hachenhausen stattfinden müssen, wegen dort fehlender Räumlichkeiten in Wrescherode durchgeführt. Auch gab es ab 1919 wieder den traditionellen Silvesterball.
Über die zwanziger Jahre gibt es nicht viel zu berichten, es sei denn, daß der Kassenbestand infolge der Inflation in seinem Zahlenwerk in astronomische Höhen schnellte. Im Jahre 1922 konnten Einnahmen und Ausgaben von fast 20.000 Mark verzeichnet werden.
Bemerkenswert hier der Eintrag im Kassenbuch des Jahres 1923:
Infolge der verpiden Geldentwertung wurden für das Rechnungsjahr 1923 keine Steuern erhoben, das Zehrungs- und Spritzenreinigungsgeld wurde der Gemeinde nicht abverlangt, dafür war der Silvesterball 1923 frei.
Bis zum Jahre 1929 war Karl Hauenschild Führer der Wehr. Seine offizielle Bezeichnung war zwischenzeitlich „Feuerwehrhauptmann“ geworden.
Auf der Generalversammlung am 6.10.1929 wurde Karl Deiters zum neuen Wehrführer gewählt, konnte aber von der damaligen Kreisdirektion Gandersheim nicht bestätigt werden, weil er bislang nicht an einem Ausbildungskurs teilgenommen hatte. Mit Schreiben der Kreisdirektion vom 28.11.1929 wurde der Wehr aufgetragen, einen neuen Wehrführer zu wählen und dem Amt bis zum 20.12.1929 den Namen des neu gewählten Führers mitzuteilen. Am 15.12.1929 kam es zu einer erneuten Versammlung in der Karl Deiters wiederum mit überwiegender Mehrheit zum Wehrführer gewählt worden war. Der Streit mit der Kreisdirektion wurde schnell beendet. Nach erfolgreich abgelegtem Ausbildungskurs hatte die Behörde keine Einwände mehr gegen den Kameraden Deiters und er konnte sein Amt bis 1943 wahrnehmen. Ab 1937 wurde dann die Bezeichnung „Brandmeister“ eingeführt.
Wie auch im ersten Weltkrieg wurden während der Zeit des 2. Weltkrieges keine Geselligkeiten durchgeführt. Die Dienstversammlungen beschränkten sich auf den reinen feuerwehrtechnischen Teil.
In einer Protokollnotiz von März 1943 ist zu entnehmen, daß die Freiwillige Feuerwehr Wrescherode ab 1943 bis zum Kriegsende der Gandersheimer Wehr eingegliedert worden war.
Nachfolger von Karl Deiters als Brandmeister wurde ab 1943 Wilhelm Fischer.
In der Generalversammlung am 27.10.1949 wurde einstimmig beschlossen, den Silvesterball der Feuerwehr wieder ins Leben zu rufen. Schwierigkeiten gab es zum damaligen Zeitpunkt eine Kapelle zu finden, weil diese zu Silvester bereits alle verpflichtet worden waren.
Im November 1949 stellte Brandmeister Wilhelm Fischer sein Amt zur Verfügung. Mit überwiegender Mehrheit wählte die Wehr Gustav Steinhoff, der auch gleichzeitig Gemeindediener war, zu ihrem neuen Brandmeister.
Am 6. August 1950 feiert die Freiwillige Feuerwehr Wrescherode ihr 75jähriges Bestehen.
1951 errichtete die Wehr neben dem Gerätehaus in der Dorfmitte einen Schlauchturm.
Karl Giesecke, Schriftführer der Wehr seit 1929, trat aus gesundheitlichen Gründen 1953 vom aktiven Feuerwehrdienst zurück und es wurde ihm einstimmig die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Nachfolger als Schriftführer wurde August Poppe.
Die Mitgliederzahl in der Feuerwehr war zwischenzeitlich so weit gestiegen, daß zwei Einsatzgruppen gebildet werden konnten.
Das Protokoll der Jahreshauptversammlung am 14.1.1956 hat einen Nachsatz, der zu erwähnen sich in jedem Fall lohnt:
Die Versammlung wurde um 20.00 Uhr geschlossen.
Nachtrag:
Was habe ich gesagt, geschlossen !!! Nein, nein Kameraden, da gings erst los. Als wir uns umsahen, waren die Tische weiß gedeckt, blumengeschmückt und mit vielen Schüsseln bepackt. Und was gabs? „Eisbein mit Sauerkraut gabs“ Ich glaube, wir denken noch gerne an die danach folgenden Stunden unserer Wrescheröder Hauskapelle, der Hausbar usw., zurück. "Schön war die Zeit"
Nach 10jähriger Amtszeit erklärte Gustav Steinhoff in der Generalversammlung 1959, daß er aus Gesundheitsgründen sein Amt nicht mehr ausüben könne. Auf Antrag des Feuerwehrkameraden Erich Schnute wurde einstimmig beschlossen, eine Neuwahl des Brandmeisters erst in der nächsten Jahreshauptversammlung vorzunehmen. Interimsbrandmeister für das Jahr 1959 wurde Wilhelm Regenhard.
Am 9.1.1960 erfolgte dann die Wahl von Wilhelm Regenhard zum neuen Brandmeister, der dieses Amt bis zum Jahre 1972 ausübte.
Sein 80jähriges Bestehen beging die Wehr mit einem Stiftungsfest am 14. Mai 1960 im damaligen Vereinslokal „Deutsches Haus“. Da die Tätigkeit der Wehr schon damals auf das engste mit den Problemen des Dorflebens verbunden gewesen war, wurde der Beschluß gefaßt, das Fest gemeinschaftlich mit der Bevölkerung als Dorfgemeinschaftsfest zu begehen. Dieses wird unterstrichen durch die Teilnahme der beiden Chöre des Dorfes an diesem Ereignis.
Im Jahre 1963 erhielt die Wehr ihr erstes Feuerwehrauto vom Typ „Ford.
In der Generalversammlung am 23.1.1965 konnte Gemeindebrandmeister Wilhelm Regenhard seinem Amtsvorgänger Gustav Steinhoff für seine 40jährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Wrescherode mit dem Feuerwehrehrenabzeichen in Gold auszeichnen.
1972 mußte nach 12jähriger Amtszeit von Wilhelm Regenhard wieder ein neuer Gemeindebrandmeister gewählt werden, weil dieser sein Amt zur Verfügung gestellt hatte.
Erstmals in der Geschichte der Wehr erfolgte eine geheime Abstimmung, da zwei Bewerber für das Amt zur Verfügung standen. Mit Mehrheit wurde Karl-Heinz Schreiber auf die Dauer von 6 Jahren gewählt.
Wilhelm Regenhard erhielt für seine Verdienste um das Feuerwehrwesen die Ehrenmitgliedschaft. Diese Ehrung wurde 1973 dem damaligen Gemeindedirektor Sommer ebenfalls angetragen.
Im Jahre 1973 wurde das alte, in der Dorfmitte stehende Spritzenhaus mit dem Schlauchturm abgerissen, nachdem im Dorf eine neue Feuerwehrgarage entstanden war.
1977 kann die Wehr ihr 100jähriges Bestehen feiern. Erstmals steht hierfür der neue Bolzplatz am Grasweg zur Verfügung. Vom 20. bis 22. Mai wird ein großes Zeltfest durchgeführt. Ebenfalls im Jahre 1977 erfolgt die Wiederwahl von Karl-Heinz Schreiber für weitere 6 Jahre als Ortsbrandmeister.
Nachdem das bisherige Vereinslokal „Deutsches Haus“ geschlossen worden war, mußte durch die Wehr ein Schulungsraum geschaffen werden. Mit Unterstützung der Stadt Bad Gandersheim gelang es, in eigener Arbeit einen Raum bei dem Feuerwehrkameraden Otto Wilhelm herzurichten. Dieser Raum konnte aber nur für Schulungszwecke genutzt werden. In der Mitgliederversammlung am 22.2.1980 wurde deshalb beschlossen, das „Gasthaus zur Linde“ geführt vom damaligen Gastwirt, Heinrich Wehe, zum neuen Vereinslokal zu benennen.
Am 30. Januar 1981 trat nach 10jähriger Amtszeit des bisherigen Ortsbrandmeisters ein erneuter Wechsel in der Führung der Wehr ein. Mit großer Mehrheit der anwesenden Mitglieder wurde Erich Ude zum neuen Brandmeister auf die Dauer von 6 Jahren gewählt.
Mit einem „Spiel ohne Grenzen“, das jährlich in einem anderen Ort des ehemaligen Unterkreises Gandersheim ausgetragen werden soll, wird am 1.5.1981 eine Einrichtung geschaffen, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.
Nach langen Verhandlungen mit der Stadt Bad Gandersheim kann am 23.9.1981 mit dem Bau unseres neuen Gerätehauses am Bolzplatz begonnen werden. Erhebliche Eigenleistungen müssen erbracht werden, um den Bau finanzieren zu können. Die Arbeiten gehen schnell voran. Bereits am 29.10.1982 kann Richtfest gefeiert werden. Die Einweihung mit feierlicher Schlüsselübergabe fand am 12. Juli 1985 statt.
Das lang ersehnte Feuerwehrhaus brachte aber nicht nur Sonnenschein mit sich. Differenzen über die Nutzung des neuen und schmucken Hauses veranlaßten Brandmeister Erich Ude, zum 31.7.1985 seinen Rücktritt zu erklären.
Im August 1985 wird Erich Ude offiziell seines Amtes entbunden. Bis zur Jahreshauptversammlung führt der stellvertretende Ortsbrandmeister Axel Weiberg die Geschäfte fort.
Am 25.1.1986 wird Axel Weiberg zum neuen Ortsbrandmeister gewählt.
110 Jahre Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Wrescherode sind, wie schon eingangs erwähnt
110 Jahre dem Feuer zum Trutze,
den Bürgern zum Schutze.
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| Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 29 März 2006 ) |
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